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Ostpreußen 2003 - Reisebericht Teil 1
Schon einige male besuchte ich unser Nachbarland Polen, doch so richtig weit nach Osten bin ich bis jetzt nur selten vorgestoßen, doch dies sollte sich im Sommer 2003 endlich ändern...
Tag 1: Reisepläne und ihre Nutzlosigkeit...
Am 09. Juli starteten wir (Alexander Rettig und der Ostbahn-Webmaster) von Deutschland aus in Richtung Polen, der Grenzübertritt bei Bad Freienwalde ging ohne Verzögerung von statten und schon vor um 7 konnte der erste Zug auf der Ostbahn von Kostrzyn aus in Richtung Gorzow Wlkp verfolgt werden. Unserem Plan zufolge wollten wir an diesem Tag noch bis in die Bialystoker Region weiterfahren, doch in der Nähe von Gorzów sahen wir einen mit SM42 bespannten Nahgüterzug in Richtung Skwierzyna fahren, welchem wir ohne zu zögern folgten... Auf seiner Fahrt nach Goraj wurde dieser Zug einige male fotografiert und so verging die Zeit. Noch schnell nach Miedzychod geschaut und siehe da, der nächste Güterzug wartete schon auf seine Ausfahrt und da es schon 13 Uhr war und unser Plan sich also sowieso erledigt hatte widmeten wir auch diesem Zug unsere Aufmerksamkeit. Als der Zug in Lowyn bei strömenden Regen rangierte, wurden wir vom Lokführer auf die Maschine gewunken und bekamen eine Führung durch sein Gefährt, eine Lok der Baureihe ST43. Da wir das Auto auch mitnehmen mussten blieb ich bis Miedzychod auf der Lok und Alexander verfolgte die Fuhre allein weiter :-) Naja, da es sowieso nicht so berauschendes Wetter war zogen wir nun durch bis Sierpc (gelegen an der KBS 410 Torun - Nasielsk), wo wir paar Nachtfotos schossen, u. a. im BW von ST44-651. Der einzige meckrige Lokführer wurde vom Lokleiter persönlich zur Ruhe bewegt und wir konnten unsre BW-Fotos machen und mangels ordentlichem Licht rangierten wir das Auto in Wumme-Anleuchtstellung und ein freundlicher Mitarbeiter unterstütze uns damit mit seinem roten VW Golf :-D Naja, da es schon recht spät war und ein Hotel sich für 5 Stunden nicht großartig lohnt fuhren wir noch bis Raciaz weiter und übernachteten im Hotel Auto...
Fotos Tag 1:
Tag 2: Vom Warten auf den Gagarin
Etwas verspätet begann dieser Tag, aber grad so erwischten wir unseren ersten Verfolgungszug auf der KBS 410 zwischen Sierpc und Nasielsk noch und wurden sogar belohnt - mit einem SM42 gezogenen Güterzug zurück in Richtung Plonsk und so bekam dann gleich der Personenzug-leere Raum am Vormittag eine Verwendung :-) Im nicht gerade schönen Bahnhof von Plonsk wurden die Wagen mit Hilfe einer kleinen Werkslok abgeholt und das Rumrangieren in Plonsk dauerte gar bis zum Vormittagszug Os 15021 Nasielsk - Sierpc und länger - typisch für die polnische Nahgüterzug-Gemütlichkeit... Weiter ging es nach einigen Personenzugfotos - immerhin wird Nasielsk - Sierpc als heißer Stilllegungskandidat gehandelt - an die nur von Güterzügen bediente Strecke Plock - Sierpc, genauer nach Plock-Trzepowo, wo auch schon ein Güterzug mit ST44 bereitstand, allerdings noch nicht startklar, also stellten wir uns irgendwo an den Wegrand mit Bahnblick, um zu warten, aber ein übereifriger Bahnbeamter belegte uns und forderte uns auf, den Platz zu verlassen, wir würden doch den Verkehr behindern (...) und so stellten wir uns halt raus an die Strecke auf 'nen aufgelassenen Bahnhof und warteten - und warteten - und warteten, alles kam (Ikarus-Busse, nostalgische Autos, Regenwolken), nur kein Güterzug und irgendwann fuhren wir nochmal schnell nach Trzepowo - und wie solltes anders sein - der Zug war wohl grad raus *grmpf!*. Naja, wir holten den Zug ein und konnten paar schöne Bildchen schießen... Mit durchschnittlicher Fotoausbeute ging es weiter nach Ostrolenka, wo wir hofften am nächsten Tag einige weitere Güterzüge zu erlegen.
Fotos Tag 2:
Tag 3: Weiter nach Osten...
Unsere geplante Güterzugjagd entwickelte sich nur langsam, kaum ein Zug war in Ostrolenka zu sehen, ein Zug kam aus Richtung Wielbark an - zu spät, auch in Sniadowo war nix los, aber der Bahnhof besetzt. Auch ein Bahnhofskiosk hatte noch geöffnet, obwohl sich hier her schon länger kein Reisezug mehr verirrt - übrigens: sehr gute Wurst gab es hier zu kaufen, empfohlen von der Verkäuferin persönlich, wir fuhren später extra nochmal hin um Nachschlag zu kaufen :-). Wie bereits geschrieben, nix los im Abzweigbahnhof bis auf einige Schrottgüterwagen aber irgendwann am Vormittag ging dann doch die Schranke herunter, schnell die Kamera raus - so gut wie umsonst - war nur ein Baufahrzeug... Mal kurz nach Lomza rauf gefahren (Endpunkt der Stichbahn aus Sniadowo) und man sieh da - ein Güterzug mit SM42-Doppeltraktion, welcher laut Auskunft des Lokführers gegen 11 den Bahnhof verlassen sollte, naja, wurde'n bisschen eher und so mussten wir zusehen, wie der Zug an uns vorbei fuhr und wir natürlich keine ordentlichen Bilder hinbekamen - aber zum Glück sind polnische Güterzüge in der Fläche nicht wirklich schnell und so überholten wir den Zug noch einige male, schöne Bilder trotz des mäßigen Wetter inklusive. Stichwort mäßiges Wetter - da wir jetzt erst einmal nichts weiter geplant hatten fuhren wir schnell rüber an die Strecke Bialystok - Czeremcha, welche durch seine extrem langsamen Züge in schöner Landschaft besticht - heisst: absolut verfolgungsfreundlich... Am Abend wollten wir dann noch das Bahnbetriebswerk in Czeremcha besuchen - doch der Lokleiter hatte irgendwie etwas dagegen - aber ein freundlicher Mitarbeiter führte uns durch die Anlagen und stellte uns sogar noch einen "Gagarin" schön ins Licht. Klasse!
Fotos Tag 3:
Tag 4: Erlebnisse an der weißrussischen Grenze
Der 12.Juli des Jahres 2003 begann mit einer positiven Überaschung, gefolgt von einer negativen - wie solltes auch anders sein... Da steht man am frühen Morgen - Morgenstund hat bekanntlich Gold im Mund - auf dem Bahnhof von Narewka, irgendwo kurz vor der weißrussischen Grenze und was fährt anstatt eines nicht gerade schönen Triebwagens als Frühpersonenzug von Hajnówka nach Cisowka: Eine SM42 mit einem einzelnen Doppelstockwagen, genialer Zug :-) So beschlossen wir, uns zu beeilen, und dem Zug bis Cisowka zu folgen - aber was wir nicht einplanten war die Grenzpolizei... Anhalten, Papiere kontrolliert, und das dauerte... Die beiden Grenzpolizisten waren zwar sehr freundlich, kamen aber einfach nicht aus'm Knick - und was wir auf dem Bahnhof von Cisowka machen wollten, konnten die beiden ganz und gar nicht verstehen :-) "wollen da schlafen?" fragten sie immer wieder... Naja, irgendwann waren sie doch fertig und es ging weiter, doch überlegten wir uns, dass es nicht mehr zu schaffen sei und wir fuhren zurück nach Siemianowka - mit vollem Tempo an den beiden von grad eben vorbei..... Mal noch schnell paar Fotos von dem kurzen Personenzug (s.u.) sowie von der leer nach Weißrussland rollenden ST44 gemacht und schon war die Zeit gekommen, mal wieder nach Czeremcha rein zu fahren. Dort kamen wir kaum am BW an, als schon die ST44-793 in Richtung Pbf. rollte und sich dann im Güterbahnhof an einen bereitstehenden Güterzug setzte. Raus an die Strecke gefahren, gewartet - und gewartet - und weiter gewartet, erstes Ultimatum verstrichen, zweites Ultimatum gesetzt, frei nach dem Motto "entweder der Güterzug kommt jetzt bald, oder wir fahrn weiter, schließlich wollen wir ja zu Weihnachten wieder zuhause sein" - und man sieh da, er kam. Leider hatte sich das Wetter mal wieder zu unserem Ungunsten entwickelt und als Krönung suchten wir uns als letzte Fotostelle den Bahnhof Mordy Miasto aus, welcher sich als grottenhässlicher Haltepunkt zeigte... Der nächste Tour-Hit folgte sogleich im Bahnhof von Niemojki, als wir den Personenzug 88432 fotografieren wollten. Schon beim Betreten des Bahnsteiges viel uns der finster dreinblickende Fahrdienstleiter auf, und als wir uns dann auch noch etwas entfernt vom Bahnhof in sicherem Abstand zu den befahrenen Gleisen postierten und die Kameras zückten, war's ganz vorbei, er schrie uns irgendwas auf polnisch zu, leider Gottes ;-) verstanden wir aber doch keinen Ton und schossen unser Bildchen. Aber als wir dann ins Auto stiegen, um in Richtung Ostpreußen weiter zu fahren, kam der Held vom Dienst aus dem Gebäude und notierte - in äußerst selbstüberzeugter Haltung - das KFZ-Kennzeichen :-D Diese Aktion sorgte auf der weiteren Tour noch so manch einmal für helle Erheiterung... Der Tag klang dann schön aus, mit einem Besuch im BW Suwalki und Besichtigung von Lokomotiven der Baureihen SU45 und ST44.
Fotos Tag 4:
Tag 5: Jetzt geht's aber wirklich nach Ostpreußen...
Der Tag Nummer 5, der 13.07.2003, begann, wie der Vortag aufhörte: mit einem Besuch des Bahnbetriebswerkes zu Suwalki. Dort rangierte schon eine ST44 und eine SM42, sowie eine weitere SM42 mit ein paar Wagen hin und her - und die ST44 setzte sich dann vor der SM42 an den fertigen Güterzug. Das vorläufige Ziel des Zuges war Trakiszki, der Grenzbahnhof zu Litauen. Es gibt übrigens zwischen Polen und Litauen nur einen - diesen - Schienengrenzübergang, nämlich die Strecke Suwalki - Trakiszki - Mockava - Sestokai. Auch der Personenverkehr ist hier durchaus als mäßig zu bezeichnen, es existiert gerade mal eine Tages- und eine Nachtverbindung von Litauen nach Polen bzw. anders herum... Zurück vom mäßigen Personenverkehr zu unserem Güterzug, gezogen von ST44-1083. Auch dieser Zug liess sich auf Grund seiner mäßigen Geschwindigkeit sehr gut verfolgen. In Trakiszki wurde fleißig rangiert, aber da der Zug keine Anstalten machte, nach Litauen weiter zu fahren, fuhren wir wieder Zurück - oder weiter, je nach Sichtweise. Suwalki, Szczepki, Wydminy und Pisz lauteten unsere nächsten (Foto-)Ziele, bevor wir dann am Abend Elk und das dazu gehörige Bahnbetriebswerk erreichten. Eigentlich wollten wir ja nur nachfragen, ob am nächsten Tag Güterzüge um Elk rollen, aber draus wurde ein gemütliches Schwätzchen mit 2 Mitarbeitern, beobachtet von der verspielten, erst 3 Monate alten BW-Katze :-D So verging die Zeit schnell, es ward dunkel, wir holten die Stative und machten noch ein paar Nachtaufnahmen im BW. Da es nun zu vorgerückter Stunde schwer war, ein Hotel zu finden, entschlossen wir uns, die kostengünstige Alternative in Anspruch zu nehmen - und übernachteten im Auto.
Fotos Tag 5:
Das soll's nun für den ersten Teil des Reiseberichtes gewesen sein, wo man noch immer Pappfahrkarten kaufen kann, warum wir gerade nach Wegorzewo fahren, wo doch sonst in dieser Stadt an der russischen Grenze absolut tote Hose ist und warum Chojnice immer eine Reise wert ist, erfahrt ihr - wie sollte's auch anders sein - im Teil 2 dieses Reiseberichtes.