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| Ostpreußen 2003 - Reisebericht Teil 2 | |
Ostpreußen 2003 - Reisebericht Teil 2
Ostpreußen - der Name steht auch heute noch für unberührte Landschaft und lebendige Geschichte. Ostpreußen - eine Region, die viele schöne Fleckchen hat und förmlich danach schreit, entdeckt zu werden. Wenn man mit offenen Augen das Land durchquert, sieht man viele Relikte aus vergangenen Zeiten, aber auch Ansätze, die wunderschöne Gegend für den modernen Tourismus des 21. Jahrhunderts fit zu machen. Hoffentlich verliert das ehemalige Ostpreußen damit nicht seinen Reiz. Zurück zur Bahn: Auf unserer Tour stand der äußerste Osten Polens auf dem Programm, auch die ehemaligen süd-ostpreußischen Gebiete Ermland und Masuren. Dass diese Gegend wunderschön ist, kann man nicht genug sagen oder schreiben, kurz gefasst: am besten, man bricht selbst einmal auf, um diese wunderschöne Region, heute auf die 3 Länder Polen, Litauen und Russland (Königsberger Gebiet) aufgeteilt, zu erkunden. Genug der Worte, weiter geht es mit den Tageszusammenfassungen.
Tag 6: Güterzüge im südlichen Ostpreußen
Auch an unserem sechsten Reisetag stand der Güterverkehr in der Fläche auf dem Programm. Wie am Vortag im BW Elk erfahren (siehe Teil 1), startete der Güterzug in Richtung Pisz gegen 7:30 Uhr. Der Zug bestand aus einer Lok der Baureihe SM42 mit anfangs einem zweiteiligen Güterwagen. Rangiert wurde in Drygaly, der neue, dort abgeholte Wagen wurde aber bis Pisz mitgenommen und dann wieder zurück gefahren (zum Glück, denn nur die Lok sähe ja auch etwas bescheiden aus...). Auf Grund der extrem langsamen Streckengeschwindigkeit - am Zustand der Strecke dürfte wohl auch der Personenverkehr gescheitert sein - konnte man alle Bahnhöfe mit Güterzug dokumentieren sowie einige Streckenfotos schiessen, leider war nur das Wetter arg bescheiden. Da wir den gesamten Abschnitt Elk - Pisz dokumentiert hatten, wollten wir nur mal schnell nach Spychowo rüber fahren, um herauszufinden, ob an diesem Tag noch Güterzüge rollen. Wir kamen auf dem Bahnhof an, und eine ST43 brummelte vor sich hin, der Zug bestand aus nur 3 Wagen und fuhr auch kurz nach unserem Eintreffen ab - Glück gehabt! Das Wetter entwickelte sich auch positiv (viel schlimmer hätt's auch nicht mehr werden können) und so verfolgten wir den Zug weiter in Richtung Szczytno. Unser erstes Ziel war der besetzte Haltepunkt Kolonia, wo man noch immer Pappfahrkarten kaufen kann, was wir auch taten - schliesslich gibt es auch in Polen nur noch wenige Bahnhöfe, die nicht mit einem Fahrkartendrucker ausgerüstet sind - demzufolge sind solche "Souvenirs" immer willkommen... Beim Ablichten des durchfahrenden Güterzuges grüßte uns der Lokführer freundlich aus dem Fenster und Pfiff, er war sichtlich darüber erfreut, dass wir "seinen" Zug ablichteten :-) In Szczytno wurde anschließend recht lange rangiert, dabei konnte man schöne Fotos machen. Den Rest des Tages verbrachten wir damit, einige Personenzüge entlang der KBS 515 Olsztyn - Pisz zu fotografieren. Übrigens, auch in Swietajno, einem grottenhässlichen Haltepunkt, kann man noch Pappfahrkarten erwerben. Der Tagesausklang war ein Besuch im Bahnbetriebswerk Olsztyn - allerdings mit erschwertem Bekommen der Foto-Genehmigung - nicht etwa, dass die Leute unfreundlich wären, wir haben ewig lange gebraucht, bis wir den Eingang zum Büro des Lokleiters fanden :-D
Fotos Tag 6:
Tag 7: Entlang der KBS 514 (Czerwonka - Elk)
Der Tag begann mit Nebel, doch dies hielt uns nicht davon ab, die Vormittagszüge Czerwonka - Elk und Elk - Czerwonka abzulichten. Das Wetter entwickelte sich glücklicherweise prächtig, pünktlich zum Schnellzug Mikolajki - Czerwonka - Gdynia sowie zu den Spätzügen über diese ausgesprochen reizvolle Strecke schien dann die Sonne, so dass der Tag doch als durchaus erfolgreich zu werten war.
Fotos Tag 7:
Tag 8: Was treibt uns nach Wegorzewo?!
Welchen Grund gibt es für deutsche Eisenbahnfreunde, in das Städtchen Wegorzewo an der polnisch-russischen Grenze zu fahren, wo sich doch hier her schon lange Zeit kein Zug mehr verirrt? Nein, trotz der schon in der Einleitung erwähnten Schönheit der Gegend sind wir nicht zu "Kulturfuzzys" mutiert, sondern das erste mal seit langem wurde der ehemalige Eisenbahnknoten von einem Zug aus Ketrzyn (dies ist die letzte verbliebene Strecke, alle anderen wurden, zum Teil gleich nach dem 2. Weltkrieg, abgebaut) erreicht. Dieser Triebwagen, welcher sich auf einer Präsentationsfahrt durch ganz Polen befand, ist zwar nicht sonderlich schön, aber immerhin ein guter Grund, ihn im Bahnhof Wegorzewo einmal auf Fotopapier zu bannen. Aber dies reichte uns auch schon wieder für dieses Gefährt, wir widmeten uns wieder dem Planbetrieb. Noch schnell einen arg verspäteten Zug in Gizycko (KBS 510 Elk - Olsztyn) verewigt, danach ging es weiter, allerdings leider schon in Richtung Heimat. Nach Zwischenstopps in Mikolajki, Olsztyn und Prabuty zogen wir gegen Abend noch durch bis nach Tuchola bei Chojnice
Fotos Tag 8:
Tag 9: Überraschungen in und um Chojnice
Mit viel Sonne starteten wir in den vorletzten Tag, unser erstes Ziel war der Güterverkehr auf der Nebenbahn von Tuchola in Richtung Pruszcz/Koronowo. Gleich mal nach dem ersten Foto in Silno die Fahrdienstleiterin nach den Güterzügen gefragt - Fehlanzeige! Sie meinte in etwa, dass frühestens 13 Uhr ein Zug in die Richtung rollt. Ja, was macht man nun in der freien Zeit - na klar! Eisenbahnknoten Chojnice, schon der Bahnhof ist immer eine Reise wert, hat er doch so gut wie nichts von seinem alten Flair eingebüßt. Noch immer kann man mit Personenzügen in Richtung Pila und Tczew auf der Ostbahn sowie auf den Zweigstrecken nach Szczecinek, Grudziadz/Bydgoszcz sowie nach Koscierzyna reisen. Hier auf diesem riesigen Bahnhof gibt es eigentlich immer etwas zu fotografieren und wir suchten uns als erstes den Personenzug 85722 aus Richtung Pila aus, die Sonne stand gut, der Zug erschien am Horizont. Bespannt mit einer gelben Lok - ok, wird 'ne SU42 sein, aber als die Kiste näher kam, war klar, dass dies etwas ganz besonders ist - SM42-2000 heisst die Maschine, wurde einmal aus einer normalen SM42 modernisiert, aber vom Auftragsgeber nicht abgenommen. Die Lok galt schon als "verschollen", um so erstaunlicher ist es, dass sich die Kiste heute ihr Gnadenbrot vor den Personenzügen um Chojnice verdient. Gleich noch paar Fotos im BW Chojnice gemacht (nach vorheriger Anmeldung beim "Chef" versteht sich) und dann wollten wir den Güterzug Runowo Pom. - Chojnice - Tczew - ..., planmässig mit ST44 bespannt (bis Chojnice mit ST44 aus Szczecinek, ab da planmäßig mit einer Chojnicer Maschine), in Rytel bei der Ausfahrt fotografieren. Huch, was ist das denn? Noch mehr Eisenbahnfotografen?! Der Güterzug rollt auf das Kreuzungsgleis ein, wird mal eben im Stand Fotografiert und schon richten die Kameras auf den kreuzenden Personenzug aus. Wir verstanden das ganze natürlich nicht sofort, was ist den so interessant an einer SU45, dass man sie gegen das Licht fotografieren müsste. Die Lösung des Rätsels wurde in Woroschilowgrad gebaut, besser bekannt als ST44-1102, sie zog den Personenzug Tczew - Chojnice!!! Mal noch eben den schönen ausfahrenden Güterzug abgelichtet, beschlossen wir, anschließend dem Personenzug nach Chojnice zu folgen. Die Lok rückte ins BW ein, die Wagen für den Gegenzug standen schon bereit und als sich an diesen die ST44-1105 setzte, war die Begeisterung nicht mehr zu dämpfen. Schnell kamen wir mit dem Lokführer in einem Mix aus Polnisch, Deutsch und Zeichensprache ins Gespräch und wir bekamen eine Führerstandsmitfahrt auf dem "Gagarin" die Ostbahn rauf und wieder zurück angeboten, doch da wir die Fuhre auf der Strecke fotografieren wollten und danach noch andere Fotoaktionen geplant hatten, mussten wir schweren Herzens ablehnen... Schade, hätten wir nur noch etwas länger Zeit gehabt, um hier ausführlich das ganze zu fotografieren und auch 'mal mitzufahren. So verfolgten wir den Zug, Fotos schafften wir Rytel sowie in Czarna Woda, aber den Zug wieder einzuholen war nicht von schlechten Eltern... Nach einigen weiteren Fotos kamen wir in Czersk am Bahnhof an, um dort auf den Rückkurs des Güterzuges zwischen Tczew und Chojnice zu warten, doch schnell war dieser Zug vergessen, als die Gdyniaer ST44-910 mit ihrem Zementzug abfahrbereit stand, und sich dann auf den Weg in Richtung Koscierzyna machte. Auf Grund der langsamen Geschwindigkeit konnte der Zug zwischen Czersk, Bak und Koscierzyna einige male fotografiert werden. Gegen Abend zogen dann langsam Wolken auf und wir fuhren noch weiter in Richtung Szczecinek, unter anderem von Bäumen behindert, die ihre Position durch den Sturm ins Horizontale verlagert hatten - auf deutsch gesagt - die quer auf der Straße lagen...
Fotos Tag 9:
Tag 10: Zum Schluss noch 'ne Streckendokumentation
Als wäre es von "oben" so gewollt, weinte an unserem letzten Tag der Himmel - und wie. Bis 13 Uhr wurde gerade einmal ein Foto gemacht, erst dann wurde es heller, teilweise schaute sogar noch mal die Sonne durch den Wolken hervor. Der Rest des Tages und demzufolge das Ende der Tour wurde damit verbracht, den Personenverkehrs-Rest der Strecke Stargard Szcz. - Kostrzyn zu dokumentieren. An diesem 18.07.2003 fuhren zwischen Stargard und Pyrzyce gerade einmal 2 Nachmittagszüge...
Fotos Tag 10:
Resümee: Die gesamte Tour war durchaus gelungen, Führerstandsmitfahrten auf ST43 und ST44, Besuche in einigen Bahnbetriebswerken waren möglich und unzählige Fotos von Loks, Zügen und der schönen Landschaft sind entstanden. Es gibt noch immer keinen Grund, nicht nach Polen zu fahren. Die wenigen verkehrenden Züge mögen vielleicht abschreckend wirken, aber dafür kann man in diesem Land noch eine Eisenbahn erleben, wie sie in Deutschland schon lange Geschichte ist. Einerseits wünsche ich mir, dass diese Eisenbahnromantik noch lange erhalten bleibt, andererseits gönne ich den Fahrgästen auch moderne Züge und vor allem eine Wende in der Bahnpolitik, schließlich sind viele Leute in Polen auf den Verkehrsträger Eisenbahn angewiesen.